‚Die Insel ist voller Geräusche‘: Erneuter Besuch beim „Peter Pan des Pop“

Abstract: Der Künstler, Michael Jackson hat oft den Beinamen gegeben worden ist, Peter Pan von Pop, aber dieser Artikel stellt seine Verbindung mit fiktiven Charakteren als weitaus komplexer. Es behandelt auch Jacksons Parallelen zu Shakespeares Ariel und die Autoren, F. Scott Fitzgerald und Oscar Wilde. Dieser Artikel ist auch in Deutsc über diesen Link verfügbar: http://michaeljacksonstudies.org/elizabeth-amisu-the-isle-is-full-of-noises-revisiting-the-peter-pan-of-pop-2/.


Essay by Elizabeth Amisu, PGCE, MA, editor of The Journal of Michael Jackson Academic Studies and author of The Dangerous Philosophies of Michael Jackson: His Music, His Persona, and His Artistic Afterlife.


REFERENCE AS:

Amisu, Elizabeth. “‚Die Insel Ist Voller Geräusche‘: Erneuter Besuch Beim „Peter Pan Des Pop“.” Trans. Ilke Lenz-Nolte. The Journal of Michael Jackson Academic Studies 1, no. 3 (2015). Published electronically 30/3/15. http://michaeljacksonstudies.org/die-insel-ist-voller-gerausche-erneuter-besuch-beim-peter-pan-des-pop/. Originally published as “‘The Isle Is Full of Noises’: Revisiting the Peter Pan of Pop.” The Journal of Michael Jackson Academic Studies 1, no. 1 (2014). Published electronically 25/08/16. http://michaeljacksonstudies.org/elizabeth-amisu-the-isle-is-full-of-noises-revisiting-the-peter-pan-of-pop-2/.


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Die Insel ist voller Geräusche‘: Erneuter Besuch beim „Peter Pan des Pop“
By Elizabeth Amisu & Translated by Ilke Lenz-Nolte

„Fürchte dich nicht; die Insel ist voller Geräusche,
Klänge und süßer Lüfte, die Freude schenken und nicht wehtun.“1

(William Shakespeare, The Tempest)1

Es wurde viel Aufhebens um die Tatsache gemacht, dass der Künstler Michael Jackson sich mit der erfundenen Rolle des Peter Pan identifizierte. Für seinen Bruder Jermaine war Jackson eher wie Benjamin Button, während Margo Jefferson ihn mit Dorian Gray verglich. Sein unermüdliches Streben nach der Erfüllung scheinbar unmöglicher Träume teilt er jedoch weitaus eher mit Gatsby, einer Figur, die ‚an das grüne Licht und die orgiastische Zukunft glaubte, die Jahr für Jahr vor uns zurückweicht‘.2

Oft nehmen Kommentatoren über Jacksons Karriere Zuflucht zur Fiktion, um ihn zu charakterisieren und durch die Geisterbeschwörung der modernen Medien wurde Jackson ebenso zu einer erfundenen Figur wie er Realität war. Für die einst ihn bewundernden Massen schien dieses konstruierte ‚Gemälde‘ darüber, wer er war, zu verwahrlosen. Wie weit diese „Auflösung“ ging, liegt im Auge des Betrachters, ein Rätsel, dem Willa Stillwater in M Poetica: Michael Jackson’s Art of Connection and Defiance (M Poetica: Michael Jacksons Kunst der Zusammenhänge und Herausforderungen) auf den Grund geht. Jacksons Lebensgeschichte hat sehr viel mehr mit den missverstandenen-aber-doch-erfolgreichen Schriftstellern J.M. Barrie, F. Scott Fitzgerald und Oscar Wilde gemeinsam als mit ihren erfundenen Charakteren. Barrie wanderte aus der Welt der Erwachsenen aus, Fitzgerald starb jung und Wildes Gefangenschaft würde man heute als Verletzung der Menschenrechte bezeichnen.3

Michael Jacksons Persönlichkeit (wie auch Grays äußere Erscheinung) blieb jugendlich und schön. Er war kreativ bis zu seinem allerletzten Tag. Was sein Gesicht betrifft, so hat es sich sicherlich verändert seit Off The Wall und später Thriller. Dies ist zum Teil dem Älterwerden, der Ernährung, zwei hautverändernden Krankheiten (Vitiligo und Lupus), ebenso wie manchen Zeitperioden verletzungs- bzw. stressinduzierter Abhängigkeit von Medikamenten und auch kosmetischen Veränderungen zuzuschreiben.4

Die eine Sache, die man bei Jacksons Vorliebe zu physischen Veränderungen, „Ich habe meine Nase zweimal ändern lassen und ich habe seit Kurzem ein Grübchen im Kinn. Aber das ist es. Basta“, nicht zu erwähnen vergessen sollte, war das Stressniveau des Künstlers nach dem Erfolg von Thriller. Stress ist der stille Grund einer außerordentlichen Bandbreite von Krankheiten, und Jackson waren diese Extreme nicht fremd. Dies war ein Künstler, der das Gewicht von zwei falschen Anschuldigungen, den diese begleitenden Medienansturm und einen niemals endenden Kreislauf von Prozessen ertrug, der außerdem ein alleinerziehender Vater von drei Kindern war, ebenso wie ein Ein-Mann-Konglomerat und zufällig auch dessen lukrativstes Produkt.5

Tanner Colby wiederholt in The Radical Notion of Michael Jacksons Humanity, dass, was Peter Pan betrifft, die Figur durch nächtliche Ängste gequält wird und daraufhin den Tod als ein ‚großes Abenteuer‘ sieht. Pan vertreibt seine Frustrationen und seine Wut, indem er Hooks Arm in unbarmherziger Weise abschneidet, und ganz im Stil von Herr der Fliegen fast jemanden seinesgleichen tötet, als er Wendy niederschießt. Außerdem wird Pans Beziehung zu Tinker Bell durch die Eifersuchtsanfälle eines Geliebten charakterisiert.6

An welchem Punkt also wurde „der Junge, der nicht erwachsen werden wollte“ zu dem „Jungen, der nicht erwachsen werden konnte“? Während der Erzählung entwickelt, verändert und wächst jeder andere, mit Ausnahme von Peter Pan. Auf gewisse Weise widerfuhr Jackson dasselbe Schicksal. Das Gesicht und die Rolle seiner Kindheit wurde zu einem Symbol und zu einer Ware. Später in seinem Leben würde es zu einer Waffe werden, die durch seine Kritiker auf ihn gerichtet wurde: Warum siehst du nicht mehr so aus?

Genauso wie der Ausdruck des kleinen Michael ‚nicht auf den Jungen hinter dem Lachen‘ schließen ließ, so kann auch der engelsgesichtige Pan als ein ewig Gefangener gesehen werden. Wie lange war er schon in Neverland? Weiß er es überhaupt? Weiß es irgendjemand? Die Geschichte beginnt mit dem Verlust seines Schattens, und was ist ein Schatten anderes, als der wesentlichste Teil unseres Selbst? Als Pan ihn nicht wiedererlangt, verfällt er in verzweifeltes Weinen. Jackson weinte ebenfalls oft vor Einsamkeit. Wie konnte er sich mit sich selbst wohlfühlen, wenn er überall da draußen war […] die Welt ist zugepflastert mit ihm, er ist tausend Plakatwände. Und die tragische Wahrheit scheint sehr alt zu sein, nämlich dass er nur auf der Bühne zu sich selbst zurückfindet.‘7

Uns wurde niemals erzählt, was der Grund dafür war, dass Pans Schatten die Chance zur Flucht ergriff. Könnte es sein, dass sein Leben so schrecklich war, dass sogar sein Schatten weg wollte? Es ist eindeutig unerträglich genug für Pan verlorene Jungs (lost boys) zu stehlen‚ die aus ihrem Kinderwagen fallen, wenn das Kindermädchen in die andere Richtung guckt‘. Wonach er sich am meisten sehnt, ist jemand, mit dem er seine ansonsten einsame Existenz teilen kann.8

Wenn Autoren damit fortfahren, die winzig kleine Analogie des ‚Peter Pan of Pop‘ für einen unübertrefflichen Künstler wie Michael Jackson zu benutzen, dann sollten sie sie ganze Geschichte einsetzen oder andere finden, die besser anzuwenden sind. Jacksons persönliches Neverland wurde erst zu einem Gefängnis, nachdem es aufgrund falscher Anschuldigungen zweimal durchwühlt worden war. Selbst da konnte er sich nicht dazu durchringen es zu verkaufen, obwohl er dort nicht länger leben konnte. Vorher ist es ein wohltätiges Projekt gewesen, ein Geschenk an sich selbst, das er mit Kindern, die weniger Glück hatten, teilte. Er tat dies für Jahrzehnte und hat kaum jemals die Aufmerksamkeit darauf gelenkt.9

Ich würde behaupten, dass die fiktionale Figur, die Jackson am meisten verkörpert, diejenige des Ariel ist, den eingesperrten Geist in Shakespeares The Tempest (Der Sturm), dessen Anwesenheit während des Stücks ein unaufhörlicher Schrei nach Freiheit ist. ‚Denk dran, ich habe euch immer gute Dienste geleistet / Habe euch niemals belogen, niemals Fehler gemacht, habe euch ohne Groll oder Nörgeleien gedient‘, hallen Jacksons eigene Worte wider, ‚Ihr ändern ständig die Regeln / Während ich das Spiel weiterspiele / Ich halte es nicht länger aus / Ich glaube, ich werde verrückt‘. Die Tatsache, dass Ariel einflussreicher ist als sein Kidnapper Prospero, hilft ihm nicht, am Ende ist es Ariel, der den Sturm heraufbeschwört, nach dem das Stück benannt ist.10

Ariel bleibt gefangen in einem von Prospero gemachten Gefängnis. Er tauscht den einen Lehrmeister gegen einen weiteren aus, obwohl er selbst das Talent ist. Ohne ihn hätte keiner von ihnen irgendeine wirkliche Macht – Parallelen zu Jackson sind reichlich vorhanden – pick nur einen seiner Beherrscher heraus: Familie, Fans, Publikum, Manager, Plattenlabel, Anwälte, Kriecher oder die Medien.

Die gravierendste Parallele zwischen den beiden ist die, dass Ariels bezauberndste Fähigkeiten auf der Bühne sein Gesang und sein Flug sind. Sowohl The Tempest (1611) als auch Peter Pan (1904) waren Stücke, in denen das sich entfaltende Drama zu einem Mikrokosmos der Ereignisse wurde, der bis in die weitere Welt hinaus drang: Barries Rückzug, Shakespeares Altern und Kolonisation. 1983 beschrieb Barney Hoskyns Michael Jackson als ‚den Jungen, der fliegen wollte, auf der Bühne schwang er sich ins Unwirkliche auf‘. Ariel ‚konnte in der Realität fliegen, aber er konnte nicht wegfliegen‘, während Pan wegfliegen konnte, aber immer zurückkommen musste. Jackson, anders als die anderen beiden, war aus Fleisch und Blut und wirkliches Fliegen blieb ihm versagt. Stattdessen schloss er sich der Riege von Barrie, Wilde und Fitzgerald an und wurde, wie alle großen Fiktionen, selbst zum Kunstwerk.11


References:

1. William Shakespeare, The Tempest (eds.) Alden T. Vaughan & Virginia Mason Vaughan (Arden, 2011), p. 254.
2. Amy C. Billone, ‘Sentenced to Neverland: Michael Jackson, Peter Pan, and Queer Futurity’, Michael Jackson: Grasping the Spectacle (ed.) Christopher R. Smit (Ashgate, 2012), pp. 39-50; Penman, Ian, ‘Notes towards a ritual exorcism of the dead king’, The Resistible Demise of Michael Jackson (ed.) Mark Fisher (Zero Books, 2009), pp. 284, 301-302; J.M. Barrie, Peter and Wendy (Kindle, 1911, 2004); Jermaine Jackson, You Are Not Alone: Michael, Through a Brother’s Eyes (Touchstone, 2011), p. 9; Margo Jefferson, On Michael Jackson (Pantheon, 2006), p. 15; Oscar Wilde, The Picture of Dorian Gray (Kindle, 1890, 2012); F. Scott Fitzgerald, ‘The Curious Case of Benjamin Button’, The F. Scott Fitzgerald Collection: 2 Novels and 20 Short Stories (Waxkeep, 2013); Fitzgerald, F. Scott, The Great Gatsby, (ed.) Jeffrey Meyers (Everyman, 1993), p. 134.
3. Willa Stillwater, M Poetica: Michael Jackson’s Art of Connection and Defiance (Kindle, 2011, 2013); Edwards, Owen Dudley, ‘Wilde, Oscar Fingal O’Flahertie Wills (1854–1900)’, Oxford Dictionary of National Biography, Sept 2012 <http://www.oxforddnb.com/view/article/29400>[accessed 8 Aug 2014];; R. D. S. Jack, ‘Barrie, Sir James Matthew, baronet (1860–1937)’, Oxford Dictionary of National Biography, May 2014 <http://www.oxforddnb.com/view/article/30617>[accessed 8 Aug 2014].
4. Joseph Vogel, Man in the Music (Sterling, 2011), pp. 251-262; Barrie, p. 24; ‘Morphine’, Blood on the Dance Floor: HIStory in the Mix. Michael Jackson. Prod. Michael Jackson, CD, 68000 – EK/ET/EM (1995); Moonwalk (London: Doubleday, 1988), pp. 95-97, 235-238; You Are Not Alone, pp. 319-320, 331, 349-350, 372-373; Michael Jackson Talks to… Oprah Live; Los Angeles County (2009). Autopsy Report (Case No. 2009-04415).
5. Moonwalk, pp. 229, 256; Martha Davis, Elizabeth Eshelman and Matthew McKay, The Relaxation and Stress Reduction Workbook (New Harbinger, 2008), pp. 3-4; Tanner Colby, ‘The Radical Notion of Michael Jackson’s Humanity’, Slate.com, 24 June 2014.
6. Barrie, pp. 51-53, 23.
7. Moonwalk, pp. 164; Michael Jackson, ‘Love: The Human Family’s Most Precious Legacy’, The Journal of Pan African Studies (2010) Vol.3(7), p. 5; ‘Michael Jackson Talks to… Oprah Live’, ABC. 10 February 1993; Hoskyns, Barney, ‘The boy who would fly: Michael Jackson (1983)’, The Resistible Demise of Michael Jackson (ed.) Mark Fisher (Zero Books, 2009), p. 45.
8. Barrie, p. 24.
9. Zack O’Malley Greenburg, Michael Jackson, Inc. (Atria, 2014), pp. 157, 185, 106.
10. Shakespeare, p. 189, ‘Scream’, HIStory Past, Present and Future Book 1. Michael Jackson. Exec. Prod. Michael Jackson, CD, 59000 – E2K/E2T/E2M (1995).
11. Hoskyns, p. 46; Leslie Dunton-Downer and Alan Riding, Essential Shakespeare Handbook (Dorling Kindersley, 2004), p. 436.


Elizabeth Amisu, author of The Dangerous Philosophies of Michael Jackson: His Music, His Persona, and His Artistic Afterlife, holds an MA in Early Modern English Literature from King’s College London. She completed her teacher training at the University College London Institute of Education and has seven years’ teaching experience. She is co-founder and editor of The Journal of Michael Jackson Academic Studies online. For ‘The Journal of Michael Jackson Academic Studies she has edited two publications, An Academic Companion to Michael Jackson Studies and Michael Jackson’s Dream Lives On: An Academic Conversation – Michael Jackson & Prince; written several articles and book reviews, most notably ”Throwing Stones To Hide Your Hands’: The Mortal Persona Of Michael Jackson‘, which has been translated into Spanish and Italian; ”The Isle is Full of Noises’: Revisiting the Peter Pan of Pop‘, available in German; ”Crack Music’: Michael Jackson’s Invincible‘, also in Italian; and ”Heard it Through the Grapevine’: Are We Losing Michael Jackson All Over Again?’, also available in Spanish. Find out more at elizabethamisu.com.


REFERENCE AS:

Amisu, Elizabeth. “‚Die Insel Ist Voller Geräusche‘: Erneuter Besuch Beim „Peter Pan Des Pop“.” Trans. Ilke Lenz-Nolte. The Journal of Michael Jackson Academic Studies 1, no. 3 (2015). Published electronically 30/3/15. http://michaeljacksonstudies.org/die-insel-ist-voller-gerausche-erneuter-besuch-beim-peter-pan-des-pop/. Originally published as “‘The Isle Is Full of Noises’: Revisiting the Peter Pan of Pop.” The Journal of Michael Jackson Academic Studies 1, no. 1 (2014). Published electronically 25/08/16. http://michaeljacksonstudies.org/elizabeth-amisu-the-isle-is-full-of-noises-revisiting-the-peter-pan-of-pop-2/.


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